Mir ging es in der vergangenheit häufig so, dass, wenn ich an einem umfangreicheren Projekt arbeitete, ich spätestens bei der Programmierung des Backends die Motivation verlor und das Projekt in den Sand setzte. Deshalb gibt es in meinem Projekte-Ordner auf meinem PC so viele unfertige Programmdateien. Ich spreche nicht von bezahlten Kundenaufträgen, sondern von selbstständiger Arbeit, mit der man erst nach Fertigstellung und dann nur vielleicht hätte Geld mit verdienen können.
Ich denke, dass es vielen so geht, weshalb ich jetzt die Ursachen meines eigenen Motivationsverlustes während umfangreicher Projekte ergründen möchte:
- Keine durchdachte Planung
- Zu durchdachte Planung
- Fehlender optischer Leitfaden
- Fehlende Disziplin
1. Keine durchdachte Planung
Wenn ich eine Idee für ein neues Projekt habe, geht es in meinem Kopf um nichts anderes mehr. Ich sammle überall, wo ich nicht am Projekt arbeiten kann, Ideen. Kaum bin ich an meinem Arbeitsplatz, lege ich los. Die Konsequenz ist immer die selbe: Ich vergesse grundlegende Funktionen, habe keine Struktur im Code und arbeite schlampig, weil ich möglichst bald Ergebnisse sehen möchte. So bleibt von der Motivationsexplosion am Anfang nur noch die Stille des toten Projekts übrig.
2. Zu durchdachte Planung
Bei einem anderen Projekt habe ich gedacht, obrigen Fehler auf alle Fälle vermeiden zu müssen und habe wochen- und monatelang mein Projekt geplant. Angefangen umzusetzen habe ich es nie, weil ich immer Angst hatte, etwas zu vergessen.
3. Fehlender optischer Leitfaden
Im Informatikunterricht wurde uns Schülern gelehrt, dass zuerst Struktur und Inhalt, dann Layout und Design kommen. Bei kurzen Texten und kleinen Programmen mag diese Arbeitsweise sehr sinnvoll sein, aber wenn ich wochenlang an einem Admin-Backend mit Schriftart “Times” und blau-violetten Links arbeite, vergehen Lust und Sinn für Struktur bei mir verloren.
4. Fehlende Disziplin
An meinen “freiwilligen Projekten” arbeitete ich früher immer nur, wenn ich Lust und Laune dazu hatte. Da aber oben genannte Fehler bei mir eintraten, kam diese “Schöpfungslust” nach der Motivationsexplosion nie wieder.
Meine Konsequenz für aktuelle und zukünftige Projekte
1. Planen, aber nicht zu viel
Wenn ich eine Idee für ein Projekt und genug Zeit habe, setze ich mich mit einem Notizblock oder Rechner in Ruhe hin und mache Brainstorming: Welche Funktionen müssen inkooperiert werden, welche wären nette Gimmicks und welche können warten? Wie soll die Benutzeroberfläche aufgebaut sein? In Welche Navigationspunkte lassen sich die Menüs gliedern?
Ich ziehe also eine klare Linie zwischen notwendigen erweiternden Funktionen. Dann suche ich mir die Funktionen aus, die ich in der ersten Programmversion einsetzen will. Die anderen kommen auf eine Liste für Updates. Wichtig ist natürlich noch die Bedienung für den Benutzer: Wenn man sich über diese im Klaren ist und ein bisschen flexibel programmieren kann, kann man nach kurzer Zeit schon mit der Umsetzung anfangen. Bei großen Projekten kommt da vor der eigentlichen Programmierung meistens Logo und Design, damit ich einen optischen Leitfaden und Struktur für Benutzeroberfläche und Backend habe.
2. Ziele setzen
Ich habe mir für ein aktuelles Webprogramm, das ich zusammen mit Georg erstelle, klare Ziele gesetzt. Immer, wenn ich ausreichend Zeit und nicht gerade einen kreativen Rausch an der Gitarre habe, erstelle ich mindestens eine Funktion für das Programm. Das hört sich nach nicht viel an, aber auch wenn man nur 1-2 mal die Woche genug Zeit findet, so kann man die Zeit gut einschätzen, die benötigt wird, bis das Projekt fertiggestellt ist. Wenn die Funktionen umfangreicher sind, dann setze ich meine Ziele zeitlich: “Wenn ich von 18 bis 20 Uhr nichts zu tun habe, arbeite ich in dieser Zeit an meinem Programm”.